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WAS IST EIGENTLICH VITAMIN D UND WELCHE FUNKTION HAT ES?

WAS IST EIGENTLICH VITAMIN D UND WELCHE FUNKTION HAT ES?

Von DR. BARBARA STURM

11th May 2021

Was ist Vitamin D?

Vitamin D ist der übergeordnete Begriff für eine Gruppe fettlöslicher Verbindungen, zu denen die Vitamine D1, D2 und D3 gehören. Vitamin D erfüllt wichtige Funktionen im Körper, der es mithilfe der UVB-Strahlen der Sonne selber herstellen kann. So reguliert Vitamin D unter anderem den Kalzium- und Phosphatmetabolismus des Körpers und stärkt das Immunsystem. Eine ausreichende Menge an Vitamin D ist wichtig für das Wachstum und die Entwicklung von Knochen und Zähnen sowie für eine verbesserte Widerstandsfähigkeit gegen bestimmte Krankheiten. Vitamin D erhöht auch die Produktion von ACE2 (das Angiotensin-konvertierende Enzym 2) in der Lunge, das vor akuten Lungenschäden schützt. Studien haben außerdem gezeigt, dass es die Entwicklung von Makrophagen fördert - weiße Blutkörperchen, die helfen, Krankheitserreger und Viren zu zerstören. Wie wichtig Vitamin D für unseren Körper ist, wissen wir schon seit mehr als 100 Jahren. Im Jahr 1903 erhielt der färöisch-dänische Arzt und Wissenschaftler Niels Finsen den Nobelpreis für Medizin in Anerkennung seiner Arbeit auf dem Gebiet der Photodermatologie. Er entdeckte, dass bestimmte Wellenlängen des Lichts positive medizinische Auswirkungen haben können. Seine Pionierarbeit zeigte, dass Licht erfolgreich Hauttuberkulose (Lupus Vulgaris), eine damals weit verbreitete entstellende Erkrankung, behandeln konnte. Das Spektrum der mit Lichttherapie behandelten Hautkrankheiten nahm in den folgenden Jahren zu; eine Übersichtsarbeit der American Medical Association aus dem Jahr 1932 über den Einsatz der UV-Therapie in der Dermatologie listet 34 Hautkrankheiten auf, bei denen sich eine Bestrahlung mit UV-Licht positiv auswirken kann.

Wie wird Vitamin D hergestellt?

Vitamin D kann auf verschiedene Weise aufgenommen werden, z. B. über die Nahrung und durch Nahrungsergänzungsmittel. Die wichtigste natürliche Quelle für Vitamin D ist jedoch die Synthese von Cholecalciferol - einem Steroidhormon, das in der Haut produziert wird, wenn sie der Sonne oder ultraviolettem Licht ausgesetzt ist. Wenn Sonnenstrahlen in unsere Haut eindringen (speziell UVB-Strahlung), wird Cholecalciferol in der Leber zu Calcidiol (auch 25-Hydroxy-Vitamin-D3) umgewandelt und von den Nieren zu Calcitriol (auch 1α,25(OH)2Vitamin D3) weiterverarbeitet - die physiologisch aktive Form des Prohormons Vitamin D3. Calcitriol ist als Hormon im Blut vorhanden und zirkuliert, um das gesunde Wachstum unserer Knochen zu fördern. Es wirkt außerdem entzündungshemmend und hat positive Auswirkungen auf das Zellwachstum und die Immun- und neurologischen Funktionen des Körpers.

Was sind die Symptome eines Vitamin-D-Mangels?

Ein schwerer Vitamin-D-Mangel kann zu Rachitis führen, die sich, wenn auch sehr selten, bei Kindern durch falsche Wachstumsmuster, Muskelschwäche, Knochenschmerzen und Gelenkverformungen zeigt. Aber auch Kinder, die einen leichten Mangel haben, können Muskelschwäche oder Muskelkater und Schmerzen haben. Die Fähigkeit der Haut, Vitamin D zu bilden, nimmt mit dem Alter ab. Daher sind Menschen, die sich nur selten im Freien aufhalten, aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung ebenfalls anfällig für einen Mangel. In Ländern mit gemäßigtem Klima ist ein Vitamin-D-Mangel aufgrund der reduzierten kutanen Synthese während des langen Winters besonders häufig. Die Symptome bei Erwachsenen können von Müdigkeit, Knochenschmerzen und Muskelschwäche bis hin zu Stimmungsschwankungen wie Depressionen reichen. Ein Mangel kann durch eine Blutanalyse vom Hausarzt festgestellt werden. Sollten die Werte niedriger als normal sein, wird eine Vitaminergänzung empfohlen. Eine vorbeugende Einnahme von Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungsmitteln wird auch oft für Kinder und ältere Menschen empfohlen.

Wie kann ich einem Vitamin-D-Mangel vorbeugen?

Liegt ein Vitamin-D-Mangel vor, können einige Änderungen in der Ernährung den Vitamin-D-Spiegel verbessern. Einige Lebensmittel enthalten das Vitamin, z. B. Fischleberöle, fetthaltige Fischarten wie Lachs, Makrele, Thunfisch und Sardinen, aber auch gekochtes Eigelb, Rinderleber und angereicherte Lebensmittel, darunter einige Frühstücks-Cerealien, Orangensaft, Milch, Sojagetränke und Margarine. Lebensmittel allein reichen jedoch in der Regel nicht aus, um den empfohlenen Tagesbedarf an Vitamin D zu decken (400 internationale Einheiten (IE) für Kinder bis zu einem Alter von 12 Monaten, 600 IE für Menschen im Alter von 1 bis 70 Jahren und 800 IE für Menschen über 70 Jahren), und Sonneneinstrahlung ist unbedingt erforderlich. 10 bis 15 Minuten Sonnenbestrahlung zwei- bis dreimal pro Woche auf Gesicht, Arme, Beine oder Rücken können ausreichen, um eine angemessene Menge aufzunehmen. Ältere Menschen, aber auch dunklere Hauttypen und Menschen, die in nördlichen Klimazonen leben, benötigen möglicherweise mehr Sonnenbestrahlung (besonders im frühen Frühling und späten Herbst).

Verringert Sonnenschutzmittel die Produktion von Vitamin D?

Es gibt kaum Beweise dafür, dass Produkte mit Sonnenschutz die Produktion von Vitamin D verringern. In einer kürzlich im British Journal of Dermatology präsentierten Studie verzeichneten die Forscher einen Anstieg von Vitamin D bei den Teilnehmern während einer Woche mit wolkenlosem Wetter und sehr hohem UV-Index, selbst wenn Sonnenschutzmittel verwendet wurden, um einen Sonnenbrand zu verhindern. Daraus lässt sich die Schlussfolgerung ableiten, dass die Sorge um die Vitamin-D-Produktion die Befolgung ärztlicher Empfehlungen zur Hautkrebsprävention nicht negativ beeinflussen sollte.

UNTERZEICHNUNG:

Dr. Barbara Sturm

DATUM:

11 December 2020