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WAS IST DAS MIKROBIOM?

WAS IST DAS MIKROBIOM?

Von DR. BARBARA STURM

1st Feb 2021

Mikroben, Bakterien, Viren, Pilze, Einzeller - Mikroorganismen (Mikroben) umgeben uns überall und werden in ihrer Gesamtheit als Mikrobiom, oder auch Mikrobiota, bezeichnet. Zu winzig, um sie mit dem bloßen Auge zu erkennen, beherbergt auch unser Körper diese Kleinstlebewesen. Das Mikrobiom des Menschen besteht aus Bakterien und Pilzen, die unsere Haut, unsere Schleimhäute, und vor allem unseren Darmtrakt besiedeln.

Wie kommt es zur Besiedlung durch diese Mikroben? Säuglinge kommen noch während des Geburtsvorgangs und unmittelbar nach der Geburt mit Bakterien in Kontakt; über die Scheide und die Haut der Mutter, und auch über die Umgebung, in die sie geboren werden. Im Laufe ihrer Entwicklung nehmen Kinder weitere Mikroben aus ihrer Ernährung und Umgebung auf. Durch den Stillvorgang etwa nimmt ein Baby Bakterien über die Haut der Mutter zu sich, aber auch durch feste Nahrung nehmen Kinder Mikroorganismen auf. Überall kommen Kinder mit Mikroben in Kontakt, so auch beim Spiel mit anderen Kindern, oder mittels Spielzeug, das sie vom Boden aufheben. Der Erwerb von Mikrobiota setzt sich in den ersten Lebensjahren weiter fort, bis wir etwa drei Jahre alt sind, und bleibt dann bis ins Erwachsenenalter hinein weitestgehend stabil.

Die Bakterien des Mikrobiom spielen eine Schlüsselrolle für gesundes Wachstum; sie schützen den Körper vor Eindringlingen, regulieren unser Immunsystem, fördern die Verdauung und helfen sogar, die Stimmung zu regulieren. Während des Wachstums können einige Veränderungen in der Mikrobiota auftreten, abhängig von den Lebensmitteln, die wir essen, der Umgebung, in der wir leben, den Menschen, mit denen wir interagieren, und den Medikamenten, die wir einnehmen. Die menschliche Mikrobiota trägt, wenn sie im Gleichgewicht ist, zu unserer Gesundheit bei. Außer Balance, kann sie die Entwicklung einiger Krankheiten wie Fettleibigkeit und Asthma verursachen.


Das Hautmikrobiom

Das Hautmikrobiom (auch Hautmikrobiota oder Hautflora genannt) ist ein individuelles Ökosystem von Bakterien auf der Hautoberfläche eines jeden Menschen; so etwa unterscheidet sich das Mikrobiom eines Jungen im Teenageralter sehr vom Hautmikrobiom einer schwangeren Frau. Die Hauptaufgabe der Haut besteht darin, als physische Barriere zu dienen (mehr dazu in unserem Blogbeitrag "Was ist Korneotherapie") und unseren Körper vor möglichen Angriffen durch Fremdorganismen und vor Belastungen durch toxischen Substanzen zu schützen. Sie ist auch eine Schnittstelle zur äußeren Umgebung und wird als solche von einer Vielfalt von Mikroorganismen besiedelt - darunter Bakterien wie Proteobakterien, Pilze wie Malassezia, Viren und Milben wie Demodex Folliculorum, die in oder in der Nähe von Haarfollikeln leben. Viele dieser Mikroorganismen sind harmlos und bieten lebenswichtigen Schutz vor Krankheitserregern oder schädlichen Substanzen, die die Haut oder unsere allgemeine Gesundheit beeinträchtigen könnten; sie kommunizieren mit unserem Immunsystem, helfen Entzündungen zu lindern, schützen uns vor Infektionen und Umweltaggressoren und senken die Exposition gegenüber Allergenen, oxidativen Schäden und UV-Strahlen.


Ein unausgewogenes Hautmikrobiom

Unser Darmmikrobiom kann durch Faktoren wie falsche Ernährung, Antibiotika, Infektionen, Stress und Krankheit aus dem Gleichgewicht geraten. Ebenso kann auch das Mikrobiom der Haut beeinträchtigt werden; ein aus dem Gleichgewicht geratenes Hautmikrobiom (auch als Hautdysbiose bekannt) wird mit vielen Hautkrankheiten in Verbindung gebracht, darunter Psoriasis, Rosacea, vorzeitige Hautalterung, Ekzeme, Akne und schlechte Wundheilung. Beeinträchtigend wirken zwei Faktoren: das, was von außen auf die Haut einwirkt, also auch was man auf die Haut aufträgt und das, was man in den Körper einbringt. Unser Hautmikrobiom bevorzugt einen pH-Wert von etwa 5, um zu gedeihen - Seife und andere aggressive Hautpflegewirkstoffe haben einen pH-Wert von etwa 10, was unsere Mikroflora schädigen und verschiedene Hautfunktionsstörungen begünstigen kann. Studien zur ‚Darm-Haut-Achse‘ haben nachgewiesen, dass die Faktoren, die das Darmmikrobiom schädigen, auch die Haut beeinträchtigen können. Forscher fanden heraus, dass Darmmikroben entweder direkt oder indirekt mit der Haut kommunizieren und so den Grad entzündlicher Hauterkrankungen wie Akne vulgaris und Psoriasis beeinflussen können, und dass mit einer Ernährungsumstellung diese Erkrankungen verbessert werden können. Eine andere Studie, die im Journal of Clinical Gastroenterology veröffentlicht wurde, zeigte, dass ein unausgeglichenes Mikrobiom eine Entzündungsreaktion hervorrufen kann, die zur Entwicklung von Rosazea führt.


Wie kann ich mein Mikrobiom unterstützen?

Trinke viel und iss gesund

Es empfiehlt sich, entzündliche Substanzen wie Alkohol, Zucker, Mehl, übermäßiges Salz, Fleisch, sowie verarbeitete oder frittierte Lebensmittel zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Stattdessen sollte man entzündungshemmende Nahrungsmittel wählen – z.B. Kirschen, Blaubeeren, Brombeeren, grünes Blattgemüse, Bohnen, Samen und Nüsse, Olivenöl und Tomaten - sowie Nahrungsmittel wie Spargel, Paprika, Karotten, Brokkoli, Avocados, Kürbis und Spinat, die reich an Glutathion, einem starken Antioxidans, sind.

Dein Darm braucht Zuwendung

Das individuelle Darmmikrobiom kann die Gesundheit der Haut beeinträchtigen und Entzündungen auslösen. Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi, Miso und probiotischer Joghurt können die Bakterien im Darm fördern.

Vermeide aggressive Produkte

Seifen, Reinigungsprodukte und andere aggressive Hautpflegeprodukte haben oftmals einen sehr hohen oder sehr niedrigen pH-Wert. Seife z.B. ist stark alkalisch (pH-Wert von etwa 10), Säurepeelings reagieren dagegen sehr sauer (ihr pH-Wert kann z.B. bei 2 liegen). Ihre Alkalität oder Säure kann die Hautbarriere und das darauf lebende Mikrobiom schädigen. Auch Duftstoffe, Alkohol, Mineralöle und Konservierungsstoffe können negative Auswirkungen haben, ebenso wie der übermäßige Gebrauch von antibakteriellen Seifen. Eine einfache Hautpflegeroutine schont die Haut.

Sei sanft zu deiner Haut

Die Haut sollte stets sanft gereinigt werden. Reinigungstools, heißes Wasser und das ‚Schrubben‘ der Haut können das gesunde Mikrobiom beschädigen und Haarrisse in der Haut verursachen, ein idealer Nährboden für Krankheitserreger.

Baue Stress ab

Chronische Belastungen können den gesamten Körper belasten, und besonders den Darm. Integriere Aktivitäten in deinen Tagesablauf, die Stress abbauen. Yoga, Wandern, Bewegung im Freien, Meditation und Zeit mit Freunden und Familie können helfen, Ruhe zu finden. Ganz wichtig ist auch ein gesunder Schlaf.



UNTERZEICHNUNG:

Dr. Barbara Sturm

DATUM:

18. November 2020